Von Bing Ads, Auto-Clicks & Conversion Optimierung

Von Bing Ads, Auto-Clicks & Conversion Optimierung

Du möchtest gerne mehr Besucher auf deiner Webseite haben und das möglichst schnell? Ging mir für ein kleines Nebenprojekt auch so und aus diesem Grund habe ich mich dazu entschlossen Werbeanzeigen bei Bing zu schalten.

Erste Kampagne erstellen

Alles gut dachte ich mir, du erstellt einfach eine Kampagne, fügst ein paar Keywords hinzu und gestaltest eine eingängige Anzeige. Am besten mit Call-to-Action und dem ganzen anderen Zeugs, das deine Klickrate (CTR) in die Höhe treibt. Dann noch schnell ein Tagesbudget festlegen und zack sind die Besucher auch schon da.

In der Tat, nachdem die Kampagne eingerichtet war, kamen die ersten Besucher auch recht schnell. Super dachte ich mir, jetzt kann es mit dem Geld verdienen im Internet ja los gehen. In Gedanken habe ich auch gleich schon unzählige Artikel meiner Amazon Wunschliste in den Warenkorb gelegt.

Besucher analysieren

Mist, nach den ersten Tagen zeigte sich dann jedoch recht deutlich, dass zwar Besucher durch die Werbeeinblendungen auf die Seite gekommen sind, zu Conversions kam es allerdings nicht.

Dieses Verhalten leuchtete mir nicht ganz ein und so habe ich damit angefangen die Interaktionen der Besucher mit meinem Projekt zu tracken. Dafür sehr hilfreich ist Inspectlect. Dieser Service speichert jeden Besuch einer Webseite in bewegten Bildern. So kann man später herausfinden, was ein Besucher gesehen hat und wo er hingeklickt hat. Sehr nützlich wie ich finde. Auf jeden Fall ist die Nutzung von Inspectlet eine gute Ergänzung zum üblichen Tracking via Analytics oder Piwik.

Nachdem ich dann ein paar der Besuche mit Hilfe von Inspectlet nochmal durchgespielt habe, ist mir bei vielen Besuchern ein doch sehr untypisches Verhalten aufgefallen. Dazu ein bisschen mehr Details: Ein Aufruf der Webseite führt den Benutzer auf eine Landingpage. Auf dieser Landingpage gibt es im sichtbaren Bereich eigentlich nur einen Button. Ein Klick auf diesen Button stellt schon die (erste) Conversion dar. Alles recht simpel.

Mit Hilfe von Inspectlet konnte ich jedoch feststellen, dass viele Besucher wahllos irgendwohin geklickt haben und dabei den Button nicht getroffen haben. Aus diesem Grund sind dann natürlich auch keine Conversions entstanden. Da dieses Verhalten wirklich oft aufgerteten ist und die Klicks auch wiedererkennbare Muster ergeben haben, gehe ich nach wie vor davon aus, dass des sich bei den Besuchern nicht um Menschen, sondern um Bots handelt. Daraus ergibt sich, dass die Werbeeinblendungen automatisch angeklickt wurden.

Hmm, das ist ja nicht so toll. Ich bezahle pro Klick auf die von mir geschaltete Anzeige Geld (CPC) und dann erhalte ich als Gegenleistung keinen wirklichen Besucher, sondern es findet nur ein automatisierter Klick statt bzw. ein Bot besucht meine Webseite, klickt wahllos, wartet und verschwindet dann.

So sieht das Ergebnis eines Mittschnittes mit Hilfe von Inspectlet aus:

Inspectlet: Beispiel Auto-Clicks
Inspectlet: Beispiel Auto-Clicks

Referrer analysieren

Diese Erkenntnis hat mir keine Ruhe gelassen. Mir war klar, dass die meisten Besucher jetzt über die geschalteten Bing Ads kommen, aber woher kommen sie genau? Um diese Frage zu verstehen muss man wissen, dass man die Anzeigen zwar über Bing Ads schaltet, Bing jedoch mit Yahoo und anderen Werbepartnern zusammenarbeitet.

Das bedeutet schlicht und einfach, dass die gebuchten Anzeigen eben auch auf Partnerseiten von Bing erscheinen. Dazu gibt Bing (wie auch Google) einfach den Anzeigenfeed für ausgewählte Webseiten frei und diese können den Feed dann bei sich einbinden.

Ich wollte jetzt wissen, wer diese Partner genau sind. Dazu habe ich mir einfach mal den access-Log meines Webservers angesehen. Und Ta-da, es tauchen wirklich sehr viele unterschiedliche Referrer im Log auf (nicht nur Bing/Yahoo). Ich habe mir diese nun nach Zugriffen absteigend sortiert ausgeben lassen und anschließend manuell überprüft.

Kein Wunder, dass da keine Conversions statt finden, war mein erster Gedanke. Anscheinend gehört nicht viel dazu Werbepartner von Bing zu werden. Da ich hier aber keine Webseiten bzw. deren Betreiber diskreditieren möchte, verweise ich einfach mal auf diesen  Beitrag aus dem Bing Ads Forum.

Das Problem scheint also kein Einzelfall zu sein. Gut und wie schütze ich mich jetzt dagegen? Hmm, das ist gar nicht mal so einfach. Bing Ads bietet in ausgewählten Ländern die Möglichkeit an, Werbeanzeigen explizit nur auf Bing und Yahoo zu schalten. Deutschland gehört aber aktuell nicht dazu. Und das sagt Bing:

Die Anzeigenverteilungsoptionen Nur Bing- und Yahoo-Suche (Inhaber und Betreiber) und Nur Bing- und Yahoo-Konsortialsuchpartner werden nur bei Werbeschaltungen in den USA, Kanada, im Vereinigten Königreich, Irland sowie Frankreich berücksichtigt. Für alle übrigen Standorte wird Alle Suchnetzwerke verwendet, auch wenn die beiden anderen Optionen ausgewählt wurden. Wenn Sie den Bericht zur Herausgeber-Performance ausführen, werden die Websites auf Grundlage dieser Anzeigenverteilungsregeln dargestellt.

So sieht die Einstellungsmöglichkeit im Interface aus, die in Deutschland nicht aktiv ist:

Bing Ads: Werbepartner ausschließen
Bing Ads: Werbepartner ausschließen

Werbepartner ausschließen

Toll,  kann ich überhaupt etwas tun, um mich vor den Auto-Clicks bzw. unbrauchbaren Traffic von eher minderwertigen Werbepartnern zu schützen? Die Antwort ist: Ja, aber das ist mit etwas manuellem Aufwand verbunden. Ich kann auf Kampagnen- oder Anzeigenebene bestimmte Webseiten von der Einblendung meiner Anzeigen ausschließen. Dazu muss ich einfach die Domain des jeweiligen Partners in eine Textbox eintragen und ab dann werden meine Anzeigen bei diesem Partner nicht mehr geschaltet:

Bing Ads: Werbepartner ausschließen
Bing Ads: Werbepartner ausschließen

Conversion Rate & Traffic

Nachdem ich dies getan habe, ist meine Conversion-Rate in den nachfolgenden Tagen auch wirklich gestiegen. Von vorher ca. 15 % auf nun über 60 %. Da meine Ausschlußliste mittlerweile recht lang ist, kommen die meisten Besucher nun wirklich nur noch über Bing und Yahoo. Ein paar ausgewählte Werbepartner sind natürlich auch noch dabei.

Es sollte natürlich klar sein, dass sich dieses Vorgehen auch auf das Trafficvolumen auswirkt. Vor der Sperrung von Werbepartnern war das Besucheraufkommen wesentlich höher als momentan. Die Frage ist nur, was ein Besucher bringt, wenn er nicht konvertiert.

Und warum?

Ein Werbepartner von Bing bekommt einen gewissen Betrag pro Klick auf eine geschaltete Anzeige von Bing gutgeschrieben.

Bindet ein Partner einen Anzeigenfeed ein und leitet echte Besucher ungewollt auf eine Anzeige weiter oder nutzt sogar Bots um dies zu tun, kann er natürlich bei entsprechendem Traffic (abhängig vom Thema) einen netten Verdienst erschleichen. Hier muss er jedoch darauf achten, dass die Trafficqualität einen bestimmten Wert nicht unterschreitet. Mischt man forcierte Klicks jedoch unter echte Klicks, fällt das Vorgehen nur schwer auf.

Egal was der Grund für dieses Vorgehen ist, es dient weder dem Besucher, der ungewollte weitergeleitet wird, noch dem Werbetreibenden, der mit Hilfe der Anzeigenschaltung sein Produkt oder seine Dienstleistung vermarkten möchte.

Schlussbemerkungen

Mir ist völlig klar, dass nicht alle Bing Werbepartner mit Auto-Clicks oder anderen, zweifelhaften Methoden arbeiten. Es gibt jedoch immer schwarze Schafe und dessen sollte man sich bewusst sein. Für das Geld, das ich in diesem Fall investiert habe, möchte ich natürlich auch einen entsprechende Gegenleistung erhalten. Und ein Besuch eines Bots auf meiner Webseite bringt mir leider nicht viel. Im Gegenteil: Traffic kostet Geld und ich möchte dieses Vorgehen nicht auch noch doppelt bezahlen müssen.

Weiter oben im diesem Artikel habe ich einen Foren Beitrag verlinkt, aus dem hervorgeht, dass Bing seine Partner sorgfältig aussucht. Davon bin ich überzeugt. Leider gelingt das wohl nicht in allen Fällen. Aus diesem Grund ist es – wie bereits gesagt – sehr wichtig seiner Kampagnen zu analysieren und notwendige Maßnahmen abzuleiten. Bing vergibt seine Feeds auch an größere Partner, die diese Feeds wiederrum auch weitergeben können. Hier wird es dann mit der Kontrolle natürlich immer schwieriger.

Es ist außerdem sehr zu empfehlen die Log Dateien seines Webservers häufiger zu überprüfen. Schaut euch die Referrer an, geht diese manuell durch und schließt sie bei einem schlechten Bauchgefühl einfach aus.

Und zum Schluss: Tracken, tracken, tracken. Egal ob ihr Analytics, Piwik, Inspectlet, Crazy Egg oder was auch immer nehmt. Hätte ich die Besucher nicht analysiert, wäre mir dieses Verhalten sicherlich nicht aufgefallen und ich würde mich noch immer über die schlechte Conversion-Rate wundern. Das hat dann auch nichts mehr mit roten oder grünen Buttons zu tun.

Bildquelle: Brian Klug

Veröffentlicht von

Michael

Webentwickler & SEO

Ein Gedanke zu „Von Bing Ads, Auto-Clicks & Conversion Optimierung“

  1. Da viele Domainer das Bing / Yahoo Netzwerk (jetzt Media.net) für ihre Domains einsetzen und dort viele automatische Klicks erzeugt werden, kann ich es mir durchaus vorstellen dass du auch von diesen „unbrauchbare“ Besucher erhalten hast.

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